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Ob Straßen- oder Bahnrennen muss noch geklärt werden

Mit Anna-Dorothea Heitzmann wächst ein vielversprechendes Radtalent heran.

Seit vielen Jahren glänzt der Thüringer Radsport Verband immer wieder mit jungen Talenten, die sich anschicken in die teilweise großen Fußtapfen der Etablierten, die neben großen Rennen auch olympische und Weltmeisterschaftsmedaillen gewonnen haben, zu treten. Gelegentlich kommen auch Radsportlerinnen und Radsportler aus anderen Bundesländern nach Thüringen, weil die hohe Qualität der hiesigen Trainer bundesweit bekannt ist. Eine dieser hoffnungsvollen Fahrerinnen ist Anna-Dorothea Heitzmann, die aus Lostau bei Magdeburg nach Erfurt kam.

Bereits mit sieben Jahren war Heitzmann beim Fernsehen von der Schinderei der Akteure bei der „Tour de France“ über schwere Strecken und den schwierigen Alpenpässen bei Temperaturen bis 38 Grad restlos fasziniert. „Ich brauchte damals eine sportliche Freizeitbeschäftigung und da meldeten mich meine Eltern beim RC Lostau an“, erinnerte sich die heute 20-Jährige an ihre radsportlichen Anfänge. Bereits in den jungen Altersklassen wurde sie mehrfache Landesmeisterin von Sachsen-Anhalt beim Straßenrennen und beim Einzelzeitfahren. Bei der U17 heimste sie bei der Deutschen Meisterschaft im Einzelzeitfahren in Genthin ihren ersten größeren Erfolg ein.

Im ersten Juniorinnenjahr wechselte Heitzmann dann zum RSC Turbine nach Erfurt, weil diese Stadt wohl nicht zu weit von ihrer Heimat entfernt liegt. Hier wohnt sie seitdem im Internat des Sportgymnasiums und trainierte unter Steffen Uslar, der früher selbst ein überragender „Renner“ war und auch die Gesamtwertung der leider nicht mehr existierenden Thüringen-Rundfahrt der Elite vor dem Gothaer Schloss gewann. Da ließen weitere Erfolge auch nicht lange auf sich warten. Auf der Radrennbahn in Dudenhofen gewann Heitzmann zusammen mit Lena Reißner, Friederike Stern und Jasmin Müller für Thüringen die Deutsche Meisterschaft der Bahnvierer. Deutsche Vizetitel holte sie im gleichen Jahr beim Straßenrennen und im Omnium (Mehrkampf) auf der Bahn. Dafür wurde Heitzmann für die Nationalmannschaft nominiert und nahm an der Junioren-Weltmeisterschaft in Innsbruck (Österreich) im Straßenrennen und dem Einzelzeitfahren teil. Im ersten U23-Jahr vor zwei Jahren qualifizierte sie sich für die U23-Europameisterschaft auf den Straßen vom niederländischen Alkmaar. Dazu absolvierte Heitzmann die schweren Rundfahrten durch die Niederlande mit sieben Etappen und durch Luxemburg über vier Tagesabschnitte. Viel Spaß hatte sie bei einem Dernyrennen, das sind mopedähnliche Schrittmachermaschinen mit 100cm, auf der 250m-Radrennbahn in Heidenau (Sachsen), was sie mit Schrittmacher Sven Lohse (Chemnitz) vor Lena Reißner und Vanessa Wolfram gewann. Im Vorjahr fielen coronabedingt viele Rennen aus. So gewann Heitzmann auf der Bahn in Oberhausen das Scratchrennen und wurde von Bundestrainer Andre Korff bei einem Etappenrenen über sieben Tage durch Frankreich, mit dem längsten Abschnitt mit 138 km getestet.

Und was soll die neue Saison für sie bringen: Zunächst ist das Talent mit dem Nationalteam zwei Wochen auf Mallorca und hofft dort auf etwa 1500 Trainingskilometer. Ihre größten Ziele sind, erst mal ein gutes Abitur und dann die Teilnahme an der U23 Straßen- und Bahneuropameisterschaft sowie mit ihrem Thüringer Team maxx-solar-Lindig bei der Bundesliga ganz vorn zu landen.

An die Erfolge als Fahrer nahtlos anknüpfen

Michael Beckert ist seit 20 Jahren erfolgreicher Trainer am Olympiastützpunkt Thüringen

Wen sportliche Traditionen manchmal familiär fortgesetzt werden, ist das nicht ungewöhnlich. Bei der Familie Beckert war bereits Vater Dieter vom Jahrgang 1940 ein guter Straßenfahrer in der Auswahl des zu DDR-Zeiten sehr starken Bezirksteams Erfurt und wahr mehrfach international im Einsatz. Einen seiner größten Siege holte er mit einem bemerkenswerten Soloritt beim früheren Straßen-Klassiker „Großer Kowalit-Preis“ mit Start und Ziel in Waltershausen bei dem der kleine Inselsberg dreimal zu überqueren war.

Zudem war Dieter jahrelang ein ausgezeichneter Mechaniker beim damaligen SC Turbine Erfurt und montierte dabei auch für die Weltklassefahrer Mario Kummer, Maik Landsmann, Detlev Macha, Wolfram Kühn und viele Andere. So war es keine Frage, dass sein Filius Michael schon mit zehn Jahren auch Radrennfahrer werden wollte. Als mehrfacher Erfurter Bezirksmeister (Thüringer Landesmeisterschaften für die Bezirke Erfurt, Gera und Suhl gab es zu DDR-Zeiten nicht) auf Straße und Bahn bewies er in den Nachwuchsklassen sein Talent. In der Juniorenklasse (heute U19) schaffte er mit dem Bahnvierer zusammen mit dem späteren Straßen-Vizeweltmeister Hubert Denstedt, Uwe Trömer und Uwe Kirsten unter Trainer Frank Zühlke den DDR-Meistertitel und bestätigte das wenig später mit dem DDR – Spartakiadesieg mit dem Straßenvierer zusammen mit Denstedt, Trömer und dem späteren Telekom-Profi Mario Kummer. Zu den Männern aufgerückt war sein größter Erfolg die Bronzemedaille bei der DDR-Kriteriumsmeisterschaft hinter dem späteren Supersprinter und Gewinner des Grünen Trikots bei der Tour de Fance Olaf Ludwig (Gera) und Martin Götze aus Leipzig, der mehrfacher DDR – Straßenmeister war.

Nach dem abrupten Ende seiner erfolgversprechenden Laufbahn wurde Beckert bis 1990 Nachwuchstrainer beim der ZSG Waltershausen. Danach betrieb er zehn Jahre mit seinem Vater ein Fahrradgeschäft bis er im Jahre 2000 zunächst beim Thüringer Radsport Verband und nach einer Umstrukturierung beim Olympiastützpunkt Thüringer Trainer wurde. „Der Radsport ließ mich einfach nicht los“, erinnerte sich der heute 59-Jährige. Mit dieser Begeisterung hat sich Beckert in die große Zahl erfolgreicher Thüringer Trainer eingereiht. Zu den erfolgreichsten Sportlern die seine Schule durchliefen gehören in der von ihm betreuten Juniorenklasse auch die Weltmeister Patrick Gretsch und Marcel Kittel, Rik Zabel als WM-Fünfter, der Zeitfahrspezialist Tony Martin und Bundesligasieger Jakob Geßner.

Im Frauenbereich berät Beckert aktuell auch die Welt- und Europameisterin Lisa Klein, Vize-Europameisterin Lena Reißner und Gudrun Stock. „Ich habe derzeit mit dem Training von sechs Frauen und elf Junioren immer noch so viel Spaß und Freude mit meinen Schützlingen und bin mit meinem Beruf sehr glücklich“, verabschiedete sich der Erfolgstrainer.

Siegerehrung unterm Christbaum

Franzi Arendt ist Siegerin der Nachwuchssichtung 2020

Dieses Jahr war alles anders.                 

Etliche mit Spannung erwartete Rennen (Magdala, Karbach,  Holtensen, Newcomer Tour) mussten wegen der Coronapandemie abgesagt werden. Nach gerade mal vier Straßenrennen war die Saison der „MÜLLER DIE LILA LOGISTIK“ Nachwuchs Sichtung schon wieder zu Ende – aber zu diesem Zeitpunkt wusste das noch niemand.

Umso größer war meine Überraschung, als unterm Weihnachtsbaum ein Paket vom BDR-Weihnachtsmann lag, mit Glückwünschen zum Sieg  in der Gesamtwertung 2020, Führungstrikot, Pokal und einem neuen Casco-Helm.

Vielen Dank dafür an die Verantwortlichen des BDR (Jan Schlichenmaier als Vorsitzender der Radsportjugend, Günter Schabel als Vizepräsident Leistungssport) und an die Sponsoren unserer Wettkämpfe. Ich weiß, ohne die Menschen, die unseren Sport so engagiert unterstützen, wäre ein Wettkampfbetrieb im Radsport nicht möglich.

Saisonende und Jahreswechsel sind eine Zeit der Rückschau und des Dankes. Für mich war ein sportlicher Höhepunkt der Sieg bei der DM Zeitfahren in Langenhagen, für das mich mein Trainer Steffen Uslar im OSP Erfurt auf den Punkt vorbereitet hatte. Danke, Herr Uslar!     

Ein weiterer sportlicher Höhepunkt war der Doppelerfolg bei den Sichtungsrennen in Töttelstedt, die mein Verein RSC Turbine Erfurt unter widrigen Bedingungen souverän durchgeführt hat. Vielen Dank allen Organisatoren und Helfern.     

Nach der Saison ist vor der Saison: Mit dem wunderbaren Mädels-Team des BDR-Kaders bereiten wir uns z.Z. unter der Leitung des Bundestrainers Lucas Schädlich auf der Oderlandbahn auf die Saison 2021 vor. Wir schauen optimistisch in die Zukunft, denn eigentlich kann es nach dem Beginn der Impfkampagne nur besser werden. Bleibt gesund!              

 

 

Ein verrücktes Jahr

Radsportlerin Trixi Worrack hofft 2021 auf ihren fünften Olympiastart

„Das war ein verrücktes Jahr, nicht nur bei uns Radsportler ging wegen Corona vieles durcheinander“, eröffnete die fünffache Mannschafts-Weltmeisterin Trixi Worrack unser Gespräch. Bereits im Januar war die Erfurterin bei der Downunder-Tour über vier Etappen und 500 Kilometer in Australien mit einem Sieg ihres Team Trek Segafredo und einem Eintages-Worldtour-Rennen in die neue Saison gestartet. Im März fuhr sie noch drei Rennen in Belgien, bevor wegen Corona, alle anderen Wettbewerbe abgesagt wurden.

In der Rennpause bis Juli trainierte die 39-Jährige allein in und um Erfurt ohne genau zu wissen wofür. „Niemand konnte uns damals sagen, wann und wo wieder Rennen stattfinden“, blickt sie ein bisschen traurig zurück. Nach einem gemeinsamen Trainingslager mit ihrem Team in Spanien fuhr sie einige Rennen dort, bevor die im Frühjahr ausgefallen Klassiker in Belgien nachgeholt wurden. 

Für ihre starken Leistungen bekam Worrack bereits jetzt einen neuen Vertrag für 2021 von ihrem Team. „Ich fühle mich dann mit 40 Jahren immer noch in Form, habe den Vertrag gern angenommen und meine beruflichen Zukunftspläne verschoben . Das wäre dann meine 19. Profisaison und ich plane alles für meinen fünften Olympiastart, der hoffentlich in Tokio erfolgen kann“, freut sie sich schon jetzt.

Ende des Monats beginnt Worrack wieder mit dem Straßentraining und hofft auf gutes Wetter, vor allem keinen Schnee. „Ein Training im Ausland ist derzeit, wegen Corona,  auch nicht möglich. Ich müsste dann bei meiner Rückkehr nach Erfurt für zehn Tage in Quarantäne, also zu Hause bleiben, und da wäre die aufgebaute Form wieder weg“, weiß sie derzeit keinen besseren Rat.

 

Das große Ziel ist ein Profivertrag

Der Erfurter Jakob Geßner wurde Zweiter bei der Rad-Bundesliga und fuhr gegen Primoz Roglic und Richi Porte

Seine Perspektive hat Jakob Geßner klar im Auge und kommt diesen alljährlich Stück für Stück näher. Als Zehnjähriger kam er über Triathlon zum Radsport und bewies seitdem mit vier Deutschen Meistertrikots und zahlreichen Medaillen in den Nachwuchsklassen sein Talent. Dies unterstrich Geßner auch mit den Plätzen elf beim Einzelzeitfahren und 13 beim Straßenrennen der Junioren-Weltmeisterschaften 2018 in Innsbruck sowie einem sechsten Rang bei der Junioren-Europameisterschaft in Tschechien. Als zweifacher Deutscher Bergmeister und Bundesliga-Gesamtsieger der U19 verabschiedete er sich in die Kategorie der U23.

Das war die beste Empfehlung zum Wechsel vom Stevens Junior Team Thüringen zum rad-net ROSE Team. Dort fühlt sich der Sportsoldat, der auch noch ein Fernstudium zum Internationalen Management in Ansbach absolviert, sehr wohl. „Wir sind in diesem Jahr im Team mit guten Mannschaftsleistungen weit voran gekommen“, zieht er eine erste Bilanz. Persönlich kann er dabei neben dem Sieg beim „Sachsenring-Rennen“ auf Platz zwei beim Bundesligarennen in Wenholthausen (Sauerland) und als Bronzemedaillengewinner der ebenfalls zur Bundesliga zählenden Deutschen Bergmeisterschaft der U23 und dem zweiten Gesamtplatz verweisen. Besonders wertvoll war der dritte Platz beim Orlen Nationencup, der zum U23-Weltcup zählt, im Mannschaftszeitfahren. Mit der Nationalmannschaft wurde Geßner bei der Tour de l´ain in Frankreich, bei der auch internationale Spitzenfahrer wie Vueltasieger Primoz Roglic, Richie Port oder Andre Greipel dabei waren, auf Rang 37 notiert und war als Sechster der Nachwuchswertung zugleich bester Deutscher. „Dabei habe ich viel Erfahrung gesammelt und weiß nun, wie viel Arbeit noch vor mir liegt“, wusste er nach dem Highlight.

Auch in der kommenden Saison wird Geßner bei rad-net ROSE fahren. Über den Winter will er sich noch konzentrierter vorbereiten, um seinem Ziel eines Profivertrages näher zu kommen. Dabei will er sich besonders bei Internationalen- und Nationalen Meisterschaften sowie der Tour de l´Avenier, der Tour de France  für die U23, empfehlen.

Hürdensprinter auf dem Rad – Thron

Der neue Präsident des Thüringer Radsportverbandes Klaus Fiedler war einst Leichtathlet

Gegenwärtig hat auch Fiedler mit den Coronaproblemen zu kämpfen. So hatte er mit seinen Freunden für die Junioren ab nächster Woche in einem Extra-Hotel in Kroatien ein Trainingslager gebucht, was leider aufgrund der hohen Infektionen abgesagt werden musste. Nun überlegt er, ob und wann sich das Trainingslager im kommenden Frühjahr wiederholen lässt.

Die Thüringer Radsportler können wieder in eine optimal vorbereitete Zukunft schauen. Nach fast zweijährigem leeren Präsidentenstuhl und einem halbierten Präsidium wurde der  nicht nur im Sport sehr erfahrene Erfurter Klaus Fiedler, der viele Jahre der DDR-Leichtathletik-Nationalmannschaft als Hürdensprinter angehörte, zum neuen Präsidenten gewählt und das Präsidium wieder komplettiert.

Mitte der Sechziger Jahre begann Fiedler, als Mitglied des SC Turbine Erfurt, an der Kinder- und Jugendsportschule(KJS) in Nordhausen, an der vor ihm auch der Erfurter Weltrekordläufer Jürgen May ausgebildet worden war, als Sprinter und Hürdensprinter. Als die KJS dann 1967 nach Erfurt verlegt wurde, machte er gemeinsam mit dem späteren Olympiasieger mit dem Bob-Olympiasieger und Zehnkämpfer Bernhard Germeshaus das Abitur. Danach studierte Fiedler gemeinsam mit dem Erfurter „Wunderschwimmer“ Roland Matthes und der Speerwurf-Olympiasiegerin Ruth Fuchs an der DHfK in Leipzig Trainingswissenschaften und schloss mit dem Diplom ab.

Als Aktiver glänzten er bereits mit mehreren DDR-Rekorden bei der Nachwuchsklasse und holte Bronze über 110m Hürden bei den Europäischen Jugendspielen 1970 in Paris. Bei den Männern reiste er mit dem Nationalteam bei 18 Länderkämpfen um die halbe Welt und verpasste leider die Olympischen Spiele 1972 in München wegen einem Riss in der Achillessehne. „Da habe ich zu Hause sehr traurig beim Fernsehen alles erlebt“, erinnert sich der heute 69-Jährige. Danach wurde er noch bei der Europameisterschaft in Rom Sechster und verfehlte als Vierter bei der Hallen-EM in Katowice nur knapp einen Medaille, bevor er seine aktive Laufbahn 1976 beendete. Danach führte er als Trainer beim SC Turbine auch Volker Beck zum Olympiasieg über 400m-Hürden 1980 in Moskau.

Nach der politischen Wende baute er beim Landessport Bund (LSB) als Referent für Leistungssport gemeinsam mit Rolf Beilschmidt und den beteiligten Institutionen den Olympiastützpunkt Thüringen und die Stiftung Thüringer Sporthilfe mit auf. Danach war Fiedler 20 Jahre als Referatsleiter für Sportförderung wechselnd in den Ministerien für Soziales, Wirtschaft und wieder im Sozialministerium und abschließend im Bildungsministerium tätig, ehe er vor drei Jahren in den Ruhestand ging.

Im Herbst des Vorjahres erreichte Fiedler die Anfrage vom früheren TRV- und jetzigen Ehrenpräsidenten Jürgen Beese, ob er sich eine künftige Präsidentschaft vorstellen könnte. „Da brauchte ich nicht lange zu überlegen. Ich wusste das Thüringen über sehr gute Sportler und Trainer verfügt und das in den Vereinen eine gute Arbeit geleistet wird. So habe ich zugestimmt“, sagte er dieser Zeitung.

Sein liebster Gegner ist die Uhr

Radtalent Philipp Gebhardt fuhr einen Tag im Gelben Trikot

Seit sieben Jahren sitzt Philipp Gebhardt im Rennsattel. Als das Talent mit zehn Jahren zum ersten Male bei Radrennen startete hatte er so seinen eigentlich normalen Probleme. Schon beim Gewinn der Thüringer Landesmeisterschaft mit dem Bahnvierer des Sömmerda in der Klasse U13 bewies er seinen starke Form. Bei Straßenrennen viel es ihm schwer, im geschlossenen Feld zu fahren. „Ich hatte damals einfach Angst mit der Steuerei und Bremserei im Fahrerfeld und fuhr lieber Einzelzeitfahren“, erinnerte sich der heute 17-Jährige. Diese besondere Fähigkeit bewies er auch als Thüringer Landesmeister im Einzelzeitfahren der U15 in Magdala. Damit erfüllte Gebhardt die Landeskadernorm und wurde damit im Sportgymnasium Erfurt aufgenommen.

Mit dem Team Thüringen eroberte er  bei der internationalen Kids-Tour in Berlin als bester Thüringer der U17 den bemerkenswerten zehnten Platz in der Gesamtwertung. Im vergangenen Herbst wechselte Gebhardt im ersten Juniorenjahr(U19) in das Stevens Junior Team Thüringen. Vor kurzem schaffte er bei der Landskroun-Rundfahrt in Tschechien über vier Etappen sein wohl bemerkenswertestes Ergebnis. Nachdem die erste Etappe wegen eines Verkehrsunfalles abgebrochen wurde, gewann Gebhardt am zweiten Tage das Einzelzeitfahren über zehn Kilometer und schlüpfte damit in das Gelbe Trikot des Spitzenreiters. Allerdings  verlor er die Trophäe gleich wieder und war fast untröstlich. „Wenn Du Dich weiter so entwickelst, nehmen wir nächstes Jahr hier wieder teil und da wird es für Dich auch noch besser laufen“, tröstete ihn sein Trainer Michael Beckert.

Nach Abschluss der zehnten Klasse beginnt Gebhardt nun einen Ausbildung Beim Technischen Haus Service. „Dabei lässt sich gut der Beruf mit dem Sport verbinden“, blickt er voraus. Wenn Gebhardt in zwei Jahren in die U23 wechselt, peilt er jetzt schon einen Platz im Thüringer Profiteam P&S Metalltechnik unter Teamchef Lars Wackernagel, einem früheren erfolgreichen Profi an. „Bis dahin muss er sich vor allem an die längeren Distanzen und die härteren Rennabläufe gewöhnen, ein guter Zeitfahrer ist er allemal“, gab ihn Stephan Hauspurg, Stützpunktleiter des Bundes Deutscher Radfahrer(BDR) in Thüringen mit auf den Weg.

„Trotz Corona können die Kadersportler, zu denen Gebhardt gehört, weiter trainieren. Neben dem normalen Straßentraining gehört derzeit unter strenger Einhaltung der Hygieneregeln vor allem viel Krafttraining im Olympiastützpunkt Thüringen dazu. Leider wurden die Deutschen Meisterschaften im Omnium am 18./19. Dezember auf der 250m-Hallenbahn in Frankfurt/Oder abgesagt, so das wir nun keine aktuellen Wettkämpfe haben“, informierte Stephan Hauspurg, Stützpunktleiter in Thüringen des Bundes Deutscher Radfahrer(BDR) diese Zeitung.

Krönender Abschluss

Am vergangenen Montag und Dienstag, am 12. und 13. Oktober haben die letzten Wettkämpfe der Junioren und U23 Europameisterschaft stattgefunden. Dabei gelang es Grabosch noch einmal die Silbermedaille zu erobern.

Aufgrund der unüblichen Bahn-Länge von 394m ging das 500-Meter-Zeitfahren über 591m. In dieser Disziplin hat Pauline Grabosch (RSC Turbine Erfurt) bei der diesjährigen Europameisterschaft ihr zweites Silber gewonnen. Die Sportlerin erkämpfte sich mit einer Zeit von 40,715s den zweiten Platz hinter Lea Sophie Friedrich, die als Einzige die 40s-Marke geknackt hat.

Für Nik Schröter (ebenfalls RSC Turbine Erfurt) stand das Sprintturnier noch aus. In der 200m – Qualifikation hat er Platz 6 belegt. Im Achtelfinale traf Nik auf den Franzosen Vincent Yon, den er besiegen konnte und so ins Viertelfinale eingezogen ist. Dort angekommen, ist für Schröter auch schon Schluss gewesen, denn leider hat er die zwei Läufe gegen den Russen Danila Burlakov verloren, der damit ins Halbfinale einzog.

Im Keirin der Junioren hat Willy Weinrich (TSV Breitenworbis) ein positives Ergebnis erreicht. In beiden Vorläufen hat er sich den zweiten Platz gesichert und ist damit in das große Finale um Platz 1-6 eingezogen. Am Ende hat es für Weinrich zum 6. Platz gereicht, worüber er mehr als zufrieden ist. Er hat viele Erfahrungen in seinem ersten Jahr bei den Junioren gesammelt.

Lena – Charlotte Reißner (SSV Gera) hat nach einem unglücklichen Sturz im letzten Rennen des Omniums Platz 11 erreicht. Im ersten Rennen, im Scratch, konnte sie mit ihrem fünften Platz die ersten Wertungspunkte einfahren. Temporunden ist Disziplin Nummer zwei gewesen, bei der Lena Neunte geworden ist. Nach der dritten Entscheidung, dem Ausscheidungsfahren, ist Lena auf Position Neun geblieben. Das bedeutete für die Sportlerin aus Gera, dass sie im Punktefahren noch einmal ein paar Zähler einfahren muss. Lena ist dieses Rennen engagiert angegangen und konnte in den beiden ersten Wertungssprints punkten. Doch dann ist Reißner gestürzt und hat eine Runde verloren, was einen Verlust von 20 Punkten für sie zur Folge hatte. Am Ende ist sie auf 65 Punkte gekommen. Die Gewinnerin des Omniums  ist Maria Novolodskaya aus Russland mit 167 Punkten vor Wiktoria Pikulik (128/Polen) und Olivija Baleisyte (109/Litauen) geworden.

Mit 31 Medaillen (13x Gold, 8x Silber und 10x Bronze) aus 44 Wettkämpfen hat der Bund Deutsche Radfahrer wie im Vorjahr die Nationen – Wertung gewonnen. Davon haben die Thüringer Sportler 3x Gold, 3x Silber und 2x Bronze errungen.

Thüringer Sportler holen Gold, Silber und Bronze

Seit dem 08.10.2020 finden in Fiorenzuola d’Arda (Italien) die Europameisterschaften auf der Bahn in den Altersklassen U19 und U23 statt. Willy Weinrich wird Doppel-Europameister im Teamsprint sowie im Sprint und holt sich Bronze über 1000m Zeitfahren.

Zusammen mit Paul Groß (Cottbus), Domenic Kruse und Paul Schippert (beide Schwerin) holte sich der Thüringer Weinrich seine erste Goldmedaille. Lena – Charlotte Reißner ist mit ihren Teamkolleginnen Lea Lin Teutenberg, Franziska Brauße und Finja Smekal nur Italien unterlegen gewesen und wird somit  Vize – Europameisterin in der Mannschaftsverfolgung.

Nach Gold ist noch lange nicht Schluss! Weinrich ist am nächsten Tag in seinen zweiten Wettkampf gestartet. 1km Zeitfahren bedeutet etwa eine Minute lang das Beste aus sich herausholen. Willy ist als Dritter gestartet und hielt bis kurz vor Schluss die Bestzeit. Am Ende musste er sich leider Noah Vandenbranden (Belgien) und Laurin Drescher (Zwickau) geschlagen geben. „Ich bin stolz auf mich und sehr zufrieden. Das Quälen wurde belohnt!“

Lena  hat ebenfalls ihren zweiten Wettkampf bestritten und ist nach einem starken Scratch – Rennen  fünfte geworden. Nik Schröter und Julien Jäger (beide RSC Turbine Erfurt) sind zusammen auf die Probe gestellt wurden. Gemeinsam mit Anton Höhne (Cottbus) haben sich die Jungs die Bronzemedaille im Teamsprint erkämpft.     

Auch Pauline Grabosch (RSC Turbine Erfurt) wird Europameisterin im Teamsprint. Das Trio, mit Lea – Sophie Friedrich (Schwerin) und Alessa Pröbster (Ludwigshafen) hat sowohl in der Qualifikation, als auch im Finale den anderen Nationen gezeigt, dass sie die schnellsten Mädels in Europa sind.

Das Sprintturnier der Junioren sollte über zwei Tage laufen, aber aufgrund der schlechten  Wetterverhältnisse hat sich Willy Weinrich am Tag nach seinem dritten Platz erneut in seinen Sattel geschwungen und sich behauptet. Mit einer Zeit von 10.700s über 200m ist Weinrich die zweitschnellste Qualifikationszeit gefahren. In den folgenden neun Läufen hat Willy sein Durchhaltevermögen bewiesen und hat sich erneut das Trikot mit den Sternen verdient.

Am heutigen Tag, 12.10.2020, finden die nachgeholten Wettkämpfe des gestrigen Sonntags, die aufgrund des Regens verschoben wurden, statt. Unter Anderem startet Nik Schröter im Sprint und Willy Weinrich ein letztes Mal im Keirin.

Mit sieben Mal Gold, vier Mal Silber und acht Mal Bronze hat der Bund Deutsche Radfahrer (BDR) bisher einen sehr guten Medaillenspiegel eingefahren. Bis zum 13. Oktober laufen die Wettkämpfe noch und können auf der Internetseite www.uec.ch live verfolgt werden.

Der vielseitige Sprinter aus dem Land der Gurken

Erfurts Bahnradsprinter Nik Schröter will weiter nach oben.

Bei der diesjährigen Bahnrad-Weltmeisterschaft im Februar im Berliner Velodrom war Nik Schröter (RSC Turbine Erfurt) vom Bund Deutscher Radfahrer(BDR) als Ersatzfahrer für den Teamsprint gemeldet. Da er dort aus seiner Sicht leider nicht zum Einsatz kam, löste seine persönliche Enttäuschung den unbedingten Trainingswillen mit dem Ziel nicht nur als Ersatzfahrer dem Deutschen Nationalteam anzugehören, aus.

Ungewöhnlich früh, mit sieben Jahren, begann Schröter in Finsterwalde seine Rennerlaufbahn. Nach drei Jahren in der U11 und dann in der U13 wurde er mehrfacher Brandenburger Landesmeister und gewann auch die Gesamtwertung der „Ostthüringen Tour“. Der erste Deutsche Meistertitel war mit der Brandenburger Landesauswahl in der U15 im Vierer-Mannschaftszeitfahren auf der Straße fällig, dazu gewann Schröter auch das Bergttrikot bei der „TMP Tour“ rund um Gotha nach vier Etappen. Dazu verbesserte er  sich auch seine Spurtschnelligkeit immer mehr. Damit holte er sich bei der „KIDS Tour“ in Berlin über vier Etappen auch das Sprinttrikot. Mit der Bronzemedaille beim Deutschland-Cup der Crosser nach fünf Läufen bewies Schröter auch seine radsportliche Vielseitigkeit.

In der U17 wechselte er dann zum Bahnrennsport über, spezialisierte sich auf die Kurzzeitdisziplinen und wurde Deutscher Vizemeister über 500 Meter und im Sprint auf der Bahn in Cottbus. Zu den Junioren gewechselt glänzte Schröter mit den Nationalen Titel über 1000 Meter, Silber im Sprint und Bronze im Teamsprint. Damit nominierte ihn der Bund Deutscher Radfahrer für die Junioren-Weltmeisterschaften im schweizerischen Aigle und er kehrte mit der Bronzemedaille im Teamsprint hinter Russland und Australien nach Hause zurück.

Vor zwei Jahren wechselte Schröter in die Eliteklasse und kann neben dem Deutschen Meistertitel im Teamsprint auf der Betonbahn in Dudenhofen auch bei der U23 EM in Aigle wieder auf Bronze verweisen. Mit Beginn des Vorjahres wechselte er dann zum RSC Turbine nach Erfurt und hier führte ihn sein neuer Trainer Anner Miedema erneut zum Nationalen Titel im Teamsprint und guten Plätzen bei den Weltcups in Minsk und Glasgow mit denen er für den BDR wichtige Qualifikationspunkte für Olympia einfuhr.

Nach der WM im Februar gab es wegen Corona leider keine Bahnwettkämpfe mehr. Nun hofft Schröter, der genau wie sein Vereinskumpel und WG-Partner Marc Jurczyk zum Deutschen Olympiakader gehört, dass wenigstens die U23-EM im Oktober und vier Wochen später die Elite-EM in Bulgarien ausgetragen werden.