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Wieder 6 Richtige in der LOTTO Thüringen Ladies Tour…

Als Lottospieler braucht man pures Glück, als Profi-Rennfahrerin auch davon ein bißchen, na klar, vor allem aber Können und Willenskraft. Es wurde viel verlangt auf 6 anspruchsvollen Etappen, die an geographisch unterschiedlichen Punkten des Freistaates Thüringen durch sanfte, anmutige, sattgrüne und abwechslungsreichen Landschaften rollte. Die rund 550 km lange Gesamtstrecke erforderte wegen der vielen Anstiege eine sehr gute athletische Form und wegen der vielen Kurven auch perfektes Steuervermögen von den Rennfahrerinnen. 119 standen am Start, aus 19 Teams und 17 Nationen.

Die Siegerin der letzten beiden Jahre, Lisa Brennauer, hatte das Ziel verkündet, den Hattric anzustreben, und zwar gegen Konkurrenz der Weltklasse. Internationale Champions, nationale Titelträgerinnen und jede Menge Fahrerinnen, die sich zur Geltung bringen wollten bei dieser renommierten LOTTO Thüringen Ladies Tour.

Die beiden aktuelle Europameisterinnen Marta Bastianelli aus Italien (Schleiz) und Ellen van Dijk aus den Niederlanden (Meiningen) gewannen je eine Etappe, die norwegische Landesmeisterin Vita Heine war (überraschend) bei der Bergankunft in Dörtendorf vorn, Lisa Klein erkämpfte in Gotha den einzigen deutschen Etappensieg.

Das Rennen nahm in diesem Jahr einen eher kuriosen Verlauf. Auf dem ersten Tagesabschnitt Rund um Gera setzte sich sofort nach dem Start eine 11köpfige Spitzengruppe ab, die zum großen Erstaunen aller Experten und Beobachter knapp 7 min Vorsprung herausfuhr und bis ins Ziel hielt, bis auf die Juniorin (!) Friederike Stern, die zurückfiel. Den Sprint bergauf zum Marktplatz Gera unter einem Regenguß gewann Barabara Guarischi (ITA, Virtu), aber nur hauchdünn vor der Deutschen Kathrin Hammes (WNT Rotor), die im letzten Jahr Bergkönigin der Thüringen Tour war. Nach dieser Sensation dachte man unwillkürlich an den Abzählreim: 10 schöne Fahrerinnen, die hatten eine Chance… War die Gesamtwertung schon gelaufen? Wie viele Mitglieder der Fluchtgruppe würden ihren Vorsprung bis zum letzten Zielstrich in Altenburg halten?

Auf der 2. Etappe schon büßte Guarischi an einem Anstieg der 2. Kategorie mehr als 4 min ein und mußte Gelb abgeben. Da waren’s nur noch 9… Kathrin Hammes durfte das LOTTO-Trikot überstreifen, war total glücklich, aber auch ein bißchen perplex: „Das ist mein erstes Spitzenreiter-Trikot! Auch in den Nachwuchsrennen hatte ich keins. Da war ich noch nicht soweit…“ Die im Längenmaß eher kleine Fahrerin, der man aber den Typ mit einem großen und zähen Willen ansieht, wollte von Sekunde an dieses Trikot verteidigen und war sich der Hilfe ihre Kolleginnen sicher.

Als am nächsten Tag Vita Heine (NOR, Hitec) die Kletterpartie auf den Hanka-Berg vor Liane Lippert (DEU, Sunweb) gewann, fielen zwei weitere der Heldinnen des ersten Tages aus den Top 10. Da waren‘s nur noch 7… Hammes blieb vorn. Und cool.

In Gotha, wo Lisa Klein (Canyon//Sram) für den ersten deutschen Etappensieg sorgte, kam erneut ein geteiltes Feld an und Kathrin Hammes hatte wieder eine Verfolgerin weniger. Da waren’s nur noch 6… Auch Beate Zanner (Maxx-solar LINDIG) gehörte immer noch dazu. Sie hatte auf der ersten Etappe in ihrer Heimatstadt Gera das Bergtrikot erobert und nach dem zweiten Tag sogar auf Position 2 der Gesamtwertung gelegen. Sie kämpfte aufopferungsvoll, um in der Nähe des Podiums zu bleiben. Für die 36jährige Fahrerin, die aus einem Bundesliga-Team kommt und unter der Woche „normal“ arbeiten geht, ist das ein gewaltiger Erfolg, der vom Publikum täglich mit besonderem Beifall belohnt wurde. Bis zur 4. Etappe verlor Beate nur einige Sekunden, aber vor dem Zeitfahren über 18 km in Meinigen hatte sie ein bißchen Bammel. Sie büßte dann  zwar mehr als   4 min ein, rutschte aber in der Gesamtwertung nur um eine Position nach unten auf Rang 5.

Die beiden schnellsten bei der Sekundenjagd mit Start und Ziel auf dem Marktplatz von Meiningen waren Ellen van Dijk und Lisa Brennauer, die sich damit auch im Klassement weit nach vorn schoben, aber die beiden Spitzenreiterinnen nicht mehr gefährden konnten. Das Duell zwischen Pernille Mathiesen (Sunweb) und Kathrin Hammes war der Spannungshöhepunkt des Tages: Die Dänin legte eine Superzeit vor (4. der Etappe), aber Kathrin verlor nur 3 sec und bewahrte einen hauchdünnen Vorsprung von 8 sec insgesamt. Sie war zuvor nicht als eine der besten Zeitfahrerinnen bekannt, zeigte aber im Rennen eine große kämpferische Leistung und wuchs über sich hinaus. Lisa Brennauer, die vorher den Kurs mit ihr „studiert“ hatte kommentierte mit der lakonischen Bemerkung: „Da sieht man’s wieder – die Wirkung des gelben Trikots.“

Aus der Zehner-Gruppe fiel im Zeitfahren wieder eine zurück, da waren’s nur noch 5… Doch von denen war nur noch eine tatsächlich in der Lage, Hammes vom Thron zu stoßen: Mathiesen. Schon mit einem Teil der maximal möglichen 19 Bonus-Sekunden bei Zwischensprints und Zielankunft hätte sie ihre 8 sec Rückstand aufholen können. Aber ihr Team schien einem anderen taktischen Plan zu folgen. Eine der zwei Sunweb-Fahrerinnen in der Spitzengruppe war die Sprinterin Coryn Rivera, die wohl den ersehnten Etappensieg holen sollte. Es wurde wieder „nur“ ein Podiumsplatz. „Vielleicht ist Coryn zu leicht für das Kopfsteinpflaster. Mir liegen diese technisch schwierigen Ankünfte“, strahlte die Italienerin Elena Cecchini (Canyon//Sram). „Ich freue mich über diesen klaren Erfolg und bin auch froh über den zweiten Sieg meines Teams. Und es liegt nicht nur am Resultat des Tages, wenn ich dem Organisationsteam ein Kompliment für die schöne Rundfahrt mache. Ich liebe dieses Rennen.“

Kathrin Hammes strahlte vor dem Start eine ziemliche Gelassenheit aus und zeigte  auch während des Rennens keinerlei Nervosität. „Eine Spitzengruppe in dieser Zusammensetzung war eigentlich unsere liebste Variante. Dadurch fiel es meinen Kolleginnen leichter, die Verfolgung zu kontrollieren. Das haben Lisa und alle anderen absolut clever gemacht.“ Ein Sieg mit großer Bedeutung. Kathrin bestätigte ihre Fähigkeit, auch eine bisher unbekannte Rolle im Team zuverlässig auszufüllen. Die Anwesenheit in der Spitzengruppe des ersten Tages machte sie zum Kapitän. Sie mußte Verantwortung übernehmen und bisher ungewohnten Druck aushalten. Sie schaffte das in ihrer stillen, aber zuverlässigen Art. Sie war am Ende die beste von den 10 Ausreißerinnen des ersten Tages, sie ließ sich als einzige die ungeahnte Chance nicht entgehen und krönte ihre bisherige Laufbahn. Das brachte auch der langjährigen Renndirektorin Vera Hohlfeld eine neue Erkenntnis: „Ich glaube, es tut dem Ansehen des Rennens gut, wenn bei dieser Super-Klasse am Start eine Fahrerin gewinnt, die bisher nie Kapitän war. So viele Favoritinnen wurden aufgezählt, aber eine Fahrerin hat gewonnen, die bisher als

mannschaftsdienliche Helferin eingestuft wurde. Das motiviert doch aufstrebende Fahrerinnen aus der zweiten Reihe oder dem Nachwuchs. Insgesamt bin ich natürlich froh, daß die LOTTO Thüringen Ladies Tour ohne Unfälle zu Ende ging und alle im wesentlichen unversehrt nach Hause fahren. Die Vorbereitung dieser speziellen Ausgabe war ein bißchen Neuland für mich, weil ich mich diesmal tiefer in detaillierte Organisationsprozesse knien mußte. Nun bin ich froh, daß von mehreren Seiten das Lob kam, diese Rundfahrt habe in der Qualität noch mal zugelegt. Da bin ich sehr stolz auf unser Team.“

Ihre Anhänglichkeit zu dieser sportlich hochkarätigen Tour mit dem familiären Flair bestätigten ähnlich wie Elena Cecchini viele andere Fahrerinnen oder Betreuer. Alle sagen automatisch: Auf Wiedersehen!

Zwei Sportliche Leiter pilotieren Lisa Klein zum Sieg auf…

So schnell wie ihre Beine beim siegreichen Finalsprint wirbelte dann auch die Zunge von Lisa Klein (DEU, Canyon-Sram), als sie auf den Hauptmarkt von Gotha, direkt neben dem Rathaus und unterhalb des berühmten Schlosses Friedensstein, vor der Siegerehrung noch Fragen beantwortete „Ja, das war der Plan des Teams, daß ich heute angreifen sollte. Den Zeitpunkt kann man nie vorher festlegen, da muß man sich auf sein Gefühl verlassen. Als der gekommen war, hat Elena Cecchini noch Führung  geleistet und mich dann losgeschickt.“

Lisa, die vor 2 Jahren als 20jährige deutsche Meisterin war, bestimmte dann mit ihren beiden Begleiterinnen Marta Lach (POL, CCC-Liv) und Anna Christian (GBR,Drops) die zweite Hälfte der Etappe. Im ersten Teil lagen die drei Bergwertungen des Tages, von denen die letzte die einzige der 1. Kategorie dieses Rundfahrt war. Die erste nach 31 km gewann Trixi Worrack (Deutsche Nationalmannschaft), die beiden anderen Pauliena Rooijakkers (NIE, CCC-Liv). Die Etappenzweite von Schleiz sammelte 26 Punkte und ist in der Opel Schorr Bergwertung
nicht mehr einzuholen, also Bergkönigin der Thüringen Tour.
Kathrin Hammes im Gelben LOTTO-Trikot war auf dem Kleinen Inselberg Zweite und fuhr danach in einer 7köpfigen Spitzengruppe, die vom Feld aber bald wieder eingeholt wurde. „Immerhin mußte ich heute nicht ans Limit gehen. Am Ende haben wir uns noch an der Aufholjagd von Sunweb und Virtu beteiligt, um Lisa die Chance auf den Tagessieg zu erhalten, aber wir hatten nur noch Claudia Koster dabei und das hat dann nicht gereicht.“ Kathrin fährt beim Kampf gegen die Uhr den dritten Tag in Gelb. Alle ihre Rivalinnen kamen mit der gleichen Gruppe ins Ziel, so daß Pernille Mathiesen (DEN, Sunweb) und Lourdes Oyarbide (SPA, Movistar) unverändert hinter ihr auf der Lauer liegen.
Nach anfänglich harter Gegenwehr des Pelotons wuchs der Vorsprung des Trios um Lisa Klein dank der guten Zusammenarbeit der Ausreißerinnen, von denen keine gefährlich die Gesamtführenden war, dann schnell auf 90 sec und schließlich sogar 2 Minuten. „Am Anfang hatte mich mein Teamchef Ronny Lauke motiviert, voll weiter zu fahren, danach unterstütze mich auch Elena perfekt. Sie hat mich per Funk informiert, was im Feld passiert, und als dort mal Ruhe eintrat, rief sie: Jetzt müßt ihr durchziehen.“ Wegen eines Radwechsels bei Anna Christian (von der Isle of Man), geriet der Vorstoß in Gefahr. Aber sie konnte wieder aufschließen. „Lisa und ich haben das Tempo ein bißchen gedrosselt, außerdem bekam sie Windschutz in der kleinen Fahrzeugkolonne hinter uns“, erinnerte sich die Polin Marta Lach, die zwei der 3 Bonussprints gewann. Sie hatte erst vor drei Wochen in Luxemburg ihren ersten Sieg geholt und dann die Tour of California bestritten und ihre Form aufgebaut.
Die 22jährige Lisa Klein, die aus Völklingen im Saarland stammt und seit dem Abitur in Erfurt trainiert, gewann den letzten Zwischensprint und kurbelte immer wieder das Tempo an, als ihr Cecchini funkte, daß der Vorsprung schmilzt.
Am Ortseingang Gotha fiel Anna Christian aus der Spitzengruppe zurück, zwischen den beiden anderen gab es trotzdem kein Duell. Lisa trat lange vor dem Kopfsteinpflaster in der Altstadt an, weil sie wenig Luft im Reifen und Angst vor dem Schlingern in den Kurven hatte. Souverän sicherte sie sich vor einer stimmungsvollen Kulisse den 2. Sieg in dieser Saison. Obwohl ihre Batterie alle war. Also die vom Fahrradcomputer. Sie hatte vor dem Start ein Ersatz-Gerät bekommen, das dann aber wegen Strommangels keine Watt-Zahlen speicherte. „Schade, nun weiß ich nicht mal, was ich heute geleistet habe…“

Europameisterin van Dijk triumphiert beim Zeitfahren in Meiningen

Hammes belegt Platz 5 und bleibt im Gelben Trikot nach der 5. Etappe der LOTTOThüringen Ladies Tour

Der Masterplan von Ellen van Dijk aus dem Niederländischen Nationalteam hat funktioniert: Sie gewann den Kampf gegen die Uhr über 17,9 km in 25:35 min und war 21 sec schneller als die Deutsche Lisa Brennauer (WNT Rotor) und nahm Lisa Klein (Canyon//Sram), der Siegerin von gestern, 33 sec ab.

Dann folgte die Gesamtzweite Pernille Mathiesen aus Dänemark (Sunweb), die auf 26:29 min kam und damit der „Gelben“ Kathrin Hammes (WNT Rotor) 4 sec abnahm und damit im Gesamtklassement nur noch 8 sec Rückstand hat. Die bisherige Dritte Lordes Oyarbide (Movistar) verteidigte ihre Position, verlordals 17. des Tages aber 1:06 min auf Hammes. Eine vom Willen geprägte Leistung vollbrachte Beate Zanner aus Gera (Maxx-solar LINDIG), die auf dem 76. Rang 3:29 min und in der Gesamtwertung einen Platz verlor. Der jetzige 5. Platz hinter Christa riffel (DEU, Canyon//Sram) ist für die 36jährige Fahrerin aus einem Bundesliga-Team dennoch eine unglaublich starke Leistung.

Der Rundkurs begann mit einem 4 km langen Anstieg, der zudem ziemlich steil war. Auf der Abfahrt mit langen Geraden erreichte die spätere Siegerin ein Spitzentempo von 78,7 km/h, ihr Schnitt im Ziel lag bei 41, 96 km/h. „Ich habe mich gestern ein bißchen zurück gehalten, um heute in Topform zu sein“, bekannte die Zeitfahr-Weltmeisterin von 2013. „Nach der Abfahrt an der Haarnadelkurve rechts war ich ganz besonders vorsichtig. Auf dem letzten Abschnitt gegen den Wind und nochmals leicht bergauf habe ich gelitten.“ Van Dijk hatte schon im vorigen Jahr den Kampf gegen die Uhr bei dieser Rundfahrt gewonnen, auch damals vor Lisa Brennauer. „Ich bin eigentlich ganz zufrieden mit meiner Leistung. Wahrscheinlich habe ich auf dem mittleren, flachen Stück mit Rückenwind nicht genug Druck gemacht.“

Kathrin Hammes hätte im Schlußteil der Strecke gern Zeitinformationen vom Sportlichen Leiter Dirk Baldinger gehabt. „Aber da kam nichts. Oder ich habe nichts gehört. Da dachte ich schon, meine Zeit sei schlecht und das Gelbe futsch.“

Mit den guten Leistungen im Zeitfahren haben sich Ellen van Dijk (6.), Lisa Klein (7.), Lisa Brennauer (8.) und Lucinda Brand (NED, Sunweb) noch in die Top 10 der Gesamtwertung noch in die Top 10 der Gesamtwertung.

LTLT 3. Etappe: Dörtendorf – Heine vor Lippert und…

Die Norwegerin Vita Heine (Hitec Products) machte auf dem Hankaberg ihre internationale Meisterprüfung und ließ überraschend Liane Lippert im deutschen Meistertrikot und Europameisterin Marta Bastianelli hinter sich.

„An einen Sieg habe ich vorher überhaupt nicht gedacht. Ich wollte in die Top 10. Dafür mußte ich ganz zeitig antreten. Ich habe den Schwung aus der Abfahrt davor mitgenommen und bin voll weitergefahren. Dann dachte ich immer: Jetzt holen sie dich gleich. Und wunderte mich, daß keine mehr vorbei kam“, schilderte Vita Heine ihre Taktik. Sie kommt aus Riga in Lettland, studierte in Norwegen Mathematik und Statistik, lernte ihren jetzigen Ehemann kennen und lebt in Bergen. Radsport begann sie erst mit 27 (!) Jahren. In Dörtendorf hat die fünfmalige norwegische Meisterin ihren bedeutendsten Erfolg errungen. Die 34jährige Aktuarin war schon während der ersten beiden Etappen sehr offensiv gefahren und möchte jetzt noch ein gutes ZF am Samstag anfügen.
Mit 9 sec Rückstand fuhr die Trägerin des Gelben Trikots, Katrin Hammes (DEU, WNT Rotor)
am Hinterrad von Pernille Mathiesen (DEN, Sunweb) über den Zielstrich und behielt damit die Führung im Gesamtklassement. Sie hatte auch im Rennen stets die Kontrolle und hielt sich bei Attacken eher zurück.
Beate Zanner aus Gera (Maxx-solar LINDIG) kämpfte aufopferungsvoll um ihre zweite Position insgesamt, verlor aber bei der Bergankunft 10 sec auf die Rivalinnen und fiel damit auf Rang 4 (18 sec Rückstand) zurück, was aber für die einheimische Fahrerin aus einem eher kleinen Team eine bemerkenswerte Leistung ist, die von den zahlreichen Zuschauern auch gewürdigt wurde.
Für die 3. Zielankunft der Rundfahrt in Dörtendorf, das allerdings schon viele Male Durchfahrtsort war, hatte Ortsteilbürgermeister Frank Pitzing mit seinen ausschließlich ehrenamtlichen Helfern wieder eine perfekte Organisation geschafft. Die Einwohner wurden von den zahlreichen Gästen für ihre toll geschmückte Kulisse mit Unterhaltungsprogramm gelobt, die den stimmungsvolle Hintergrund für ein Rennen bildete, das auf einer sehr anspruchsvollen Runde dreimal über den Hankaberg und insgesamt 94 km führte.
Zwei Solo-Aktionen sorgten für Spannungshöhepunkte. In der ersten Runde fuhr Marieke van Witzenburg (NED, Jos Feron Lady Force) allein an der Spitze und holte sich in Dörtendorf auch gerade noch den Sieg in der ersten Bergwertung, wurde aber genau auf dem Gipfel gestellt. Pauliena Rooijakkers (NED, CCC-Liv), die dann noch die 2. Bergwertung gewann und damit das schwarze Opel Schorr Klettertrikot übernahm. Van Witzenburg gehörte dann noch einmal zu einer kurzzeitigen Spitzengruppe und wurde dafür als aktivste Fahrerin des Tages mit dem Trikot der Saalfelder Brauerei geehrt. Das Punktetrikot übernahm Barbara Guarischi (ITA, Virtu) dank eines zweiten Platzes im 2. Zwischensprint.
Der Antritt von Ellen van Dijk (Nationalteam Niederlande), Zeitfahr-Weltmeisterin von 2013, zu Beginn der dritten Runde brachte den größten Vorsprung im Rennen, eine gute Minute. Aber auch die reichte nur bis 13 km vor dem Ziel. Van Dijk hatte offensichtlich gute Erinnerungen ans letzte Jahr, als sie bei der Bergankunft im Sprint Platz 2 belegte. Diesmal belegte sie trotz der 15 km Alleingang noch Platz 14. Man kann von ihr in den nächsten Tagen noch mehr erwarten.
In der Schlußphase versuchte Team Sunweb das Feld zusammenzuhalten und brachte die beiden Bergspezialisten Liane Lippert und Pernille Mathiesen in eine perfekte Position vor der Rampe. Die beste Nachwuchsfahrerin des Vorjahres zögert ein bißchen zu lange mit ihrem Antritt: „Als Vita losfuhr, dachte ich noch, das wird zu lang. Und dann war er zu kurz, um sie noch einzuholen. Kurios. Aber wir haben unsere Taktik gut umgesetzt und unsere Ziele erreicht. Das stärkt unsere Moral.“

Europameisterin Marta Bastianelli erlebt Glück und Trauer bei Etappensieg…

Kathrin Hammes übernimmt Gelb und macht Modenschau mit 2 weiteren Sonder-Trikots

Die Rollenverteilung zwischen den Ausreißerinnen Marta Bastianelli (ITA,Virtu) und Pauliena Rooijakkers (NED, CCC-Liv) war im Finale beiden Fahrerinnen klar: Die Europameisterin ist die schnellere im Sprint, darum rollte die Niederländerin ohne Kampf ins Ziel bei Rund um Schleiz über 113,5 km.

Ihren wichtigsten Spurt hatte Pauliena auf den letzten 20 km angesetzt: „Mathiesen von Sunweb war nach einem Antritt von der Führungsgruppe wieder eingeholt worden. Für einen Moment trat Ruhe ein im Feld, da wußte ich instinktiv, jetzt mußt Du angreifen. Als dann Marta kam, ahnte ich, daß ich nicht gewinnen werde. Aber ich wollte um den 2. Platz kämpfen. Darum habe ich bis zuletzt mit gearbeitet, damit unser Vorsprung reicht.“ Rooijakkers, die aus dem kleinen Ort Schijndels stammt, lebte 8 Jahre mit ihren Eltern in Kanada und begann den Radsport erst mit 19 Jahren.
Auf die Attacke von Pauliena hatte Bastianelli am schnellsten reagiert und dann die Anweisung vom Sportlichen Leiter bekommen, weiter zu fahren. Siegesgewiß reckte die Mutter des 5jährigen Töchterchens Clarissa schon vor dem Zielstrich die Arme in den Himmel. Diese Geste galt ihrem Schwiegervater Pepe: „Er ist heute gestorben, das macht mich natürlich traurig, auch wenn er mit 98 Jahren ein gesegnetes Alter erreicht hat. Ihm widme ich den Sieg, über den ich natürlich sehr glücklich bin.“ Es ist ihr vierter in dieser Saison, darunter der Erfolg bei der Flandern-Rundfahrt.
Die einzig enttäuschte Fahrerin auf dem Podium war die drittplazierte Coryn Rivera (USA, Sunweb). Sie hatte nur 8 Sekunden Rückstand und haderte damit, daß ihr Team zu spät mit der konsequenten Verfolgung begonnen hatte. Weil sie aber die schnellste Sprinterin im Feld ist, sah sich keine andere Mannschaft veranlaßt, an der Tempoarbeit teilzunehmen. Schon gar nicht die WNT Rotor Equipe von Kathrin Hammes, die zu dem Zeitpunkt schon als neue Spitzenreiterin feststand. Immerhin ist Sunweb ein harter Rivale in der Gesamt- und auch in der Bergwertung. Die Kölnerin hatte unterwegs am Anstieg der 2. Kategorie Platz 3 belegt, beste war dort Liane Lippert (DEU, Sunweb). Bis zu dieser Bergwertung hatte Alice Barnes ein 70 km langes Solo hingelegt und wurde dafür als kämpferischste Fahrerin des Tages geehrt. Weil sie unterwegs viele Punkte bei den Sprintwertungen sammelte (jetzt dritte in dieser Sonderwertung), blieb das Grüne Trikot von Kathrin Hammes unangetastet.
Allerdings wird es Morgen stellvertretend von Barbara Guarischi getragen, die dafür das Gelbe hergeben mußte, weil sie genau an dem besagten Berg das Tempo der Führungsgruppe nicht halten konnte und schließlich mit einem Rückstand von 4:38 min auf Hammes ins Ziel kam. Das Renngeschehen auf der zweitlängsten Etappe war also genau so abwechslungsreich wie die reizvolle Thüringer Landschaft, die mit ständigem Auf und Ab mittlere Anforderungen an die Teilnehmerinnen stellte. „Es war ein harter Tag, aber ich mußte nicht ans Limit gehen“, charakterisierte Hammes die Etappe. Am anstrengensten war für sie wahrscheinlich die Podium-Kletterei bei der Siegerehrung, als sie eine Modenschau für Führungstrikots vorführte: „Ich muß das jetzt erst mal verdauen. Ich war eigentlich mit dem Ziel hierhergekommen, nochmal das Bergtrikot zu erobern. Nun kann ich es morgen wieder nicht tragen, weil ich eben Gelb bekomme. Führe ich wirklich in der Gesamtwertung? Das kann ich nicht glauben. Es ist das erste Spitzenreitertrikot in meiner Laufbahn.“

Italienerin Guarischi gewinnt 1. Etappe der LottoThüringen Ladies Tour

Mit einem Start-Ziel-Etappensieg von Barbara Guarischi begann die LottoThüringen Ladies Tour 2019. Die Italienerin setzte sich nach 98,5 km im Sprint bergauf zum Marktplatz Gera gegen die beiden Deutschen Kathrin Hammes (WNT Rotor) und Beate Zanner (Maxx-solar LINDIG) durch. Guarischi übernahm damit auch die Führung in der Gesamtwertung.

Die 29jährige Fahrerin vom Team Virtu gehörte zu einer Spitzengruppe, die sich sofort nach dem Start zu „Rund um Gera“ absetzte hatte und schnell Vorsprung gewann. Den ersten Antritt hatten Beate Zanner und die Niederländerin Marieke van Witzleben (Jos Feron Lady Force) gewagt und 9 Begleiterinnen bekommen, darunter auch Hammes, Christa Riffel (Canyon/Sram Cycling) und die Erfurterin Friederike Stern aus dem deutschen Nationalteam. Bei unglaublichen 4:30 min lag der Vorsprung zum Hauptfeld am Kilometer 21,5, der ersten Bergwertung. Überraschend gewann Beate Zanner. Kathrin Hammes, die Bergkönigin des letzten Jahres, wurde Dritte, holte sich dann aber den ersten von drei Zwischensprints. Die 11 Ausreißerinnen, von denen jede aus einem anderen Team kam, arbeiteten gut und effektiv zusammen. Sie lagen nach Hälfte des Rennen mehr als 5 min vor dem Feld, dessen Tempo auch von den Favoriten-Teams nicht angekurbelt wurde, die nicht in der Spitze vertreten waren. Bei der ersten Ziel-Passage konnte Barbara Guarischi den Spurt auf Kopfsteinpflaster schon mal probieren und gewann den Zwischensprint, der für die Punktewertung zählt. Beste Bergfahrerin des ersten Tages wurde Beate Zanner, die bei der zweiten Kletterwertung Platz 2 hinter Hammes belegte und mit einem Punkt Vorsprung das Opel Schorr-Bergtrikot übernahm. Hammes sicherte sich mit dem Sieg im letzten Zwischensprint das WNT-Punkte-Trikot vor Guarischi. Diese beiden Fahrerinnen sprengten mit Antritten bergab im strömenden Regen die Spitze, wurden aber wieder eingeholt. Trotzdem hatten die ehemalige Bahnspezialisten aus Italien und der Kletterfloh aus Deutschland nach fast 100 km Schwerstarbeit in der Fluchtgruppe die schnellsten Beine und setzten sich gegen Zanner durch. Die aus Gera stammende Beate wurde vom Publikum besonders herzlich bejubelt, zumal das Hauptfeld mit einem Rückstand von 6:58 min ins Ziel kam, so daß sie jetzt große Chancen auf einen vorderen Platz auch in der Gesamtwertung hat. Die Dänin Pernille Mathiesen (Sunweb) übernimmt als 8. der Tageswertung das weiße Sparkassen-Trikot für die beste Nachwuchsfahrerin.
Karthrin Hammes ist sehr froh über ihre zweiten Plätze in der Etappe und in der Gesamtwertung: „Es war unser Ziel, in Fluchtgruppen vertreten zu sein. Ich bin hinterher gesprungen, als ich merkte, das wird eine große und starke Gruppe. Natürlich ist unser Vorsprung so groß geworden, weil die hinten nicht konsequent nachsetzten. Gleich der erste Versuch hat mich also in eine komfortable Situation für die ganze Rundfahrt gebracht.“
Auch Barbara Guarischi hatte die Ahnung, daß da wohl die entscheidende Post abging: „Ich habe gecheckt, daß nur wenige Teams nicht vertreten waren, und unsere Gruppe gut besetzt war. Es gab also eine gute Chance für uns. Berghoch bin ich eigentlich nicht sehr schnell, aber nach 100 km Führungsarbeit entscheidet nicht nur das Sprinttalent.“

Gudrun Stock gewinnt in Karbach

Die Münchnerin Gudrun Stock vom Maxx Solar-Lindig Team gewann die 32. Auflage der Main-Spessart-Rundfahrt in Karbach, gleichzeitig Wertungsrennen der „Müller – Die lila Logistik Rad-Bundesliga“ über 86,5 km vor Lisa Robb (Stuttgart) und Lydia Ventker (RSG Placeworkers). Beste Juniorin war Lucy Mayrhofer (RBW Radsport Baden-Württemberg) auf Rang sieben.

Auf dem anspruchsvollen 7,3 Kilometer langen Rundkurs bestimmte zunächst eine Ausreißergruppe von sieben Juniorinnen, die mit Zeitvorgabe in das gemeinsame Rennen mit den Frauen gestartet waren, das Geschehen. In der vierten Runde kam es zum Zusammenschluss mit einer größeren Verfolgergruppe um die spätere Siegerin Gudrun Stock.

Die setzte sich in der letzten Runde von der Konkurrenz ab und hatte bald mehr als eine Minuten zwischen sich und die ehemalige Spitzengruppe gelegt. Die Bahnspezialistin sah schon wie die sichere Siegerin aus, als sie einen Defekt erlitt und am Schlussanstieg unter ihren Verfolgern doch noch eine Aufholjagd angezettelt wurde. Durch den Defekt war Stock aus dem Rhythmus gekommen, kämpfte sich mit letzter Kraft und gerade einmal fünf Sekunden Vorsprung ins Ziel.

In der Gesamtwertung blieb alles beim Alten: Stocks Teamkollegin Carolin Schiff (Maxx Solar-Lindig) liegt mit 519 Punkten vor ihrer Teamkollegin Beate Zanner (429 Punkte). Bei den Juniorinnen konnte Paula Leonhardt (Heuer Brandenburg/SC Berlin) mit jetzt 305 Punkten die Führung verteidigen. In der Mannschaftswertung liegen weiterhin Maxx Solar-Lindig (Frauen) und Heuer Brandenburg/SC Berlin (Juniorinnen) an der Spitze.

Doppelsieg für P&S beim Liga-Auftakt Rund um Düren: Jägeler…

Das Team P&S Metalltechnik feierte beim ersten Wertungsrennen der Männer in der Müller – Die lila Logistik Rad-Bundesliga in der neuen Saison einen Doppelsieg. Beim Eifelklassiker Rund um Düren gewann Robert Jägeler nach 152 Kilometern den Spurt einer 45 Fahrer starken Kopfgruppe vor seinem Teamkollegen John Mandrysch und Mika Heming vom Team Dauner Akkon Cycling.

Bereits in der ersten Runde bildeten sich starke Ausreißergruppen, aber immer wieder rollten die Verfolger auf, weil an der Spitze keiner Führungsarbeit leisten wollte und „Zug auf die Kette“ brachte. So brachte der Massensprint die Entscheidung. „Es war ein von Taktik geprägtes Rennen, bei dem sich die Top-Teams gegenseitig bewachten“, sagte Bundestrainer Ralf Grabsch in Düren.

In der Mannschaftswertung übernahm das Team P&S Metalltechnik die Führung vor Dauner Akkon und dem Team Lotto-Kern Haus. Das nächste Rennen zur Müller – Die lila Logistik Rad-Bundesliga der Männer findet am 12. Mai im Rahmen der Erzgebirgsrundfahrt in Chemnitz statt.

Im Juniorenrennen hatte auch beim zweiten Wertungsrennen das Team Auto-Eder Bayern die Nase vorn. Marco Brenner feierte nach 91,7 Kilometern mit 40 Sekunden Vorsprung einen imposanten Solosieg. Zweiter wurde sein Teamkollege und Sieger des Auftaktrennens in Einhausen, Linus Rosner. Platz drei ging an Tim Oelke (Stevens Junioren Team Thüringen). Brenner hatte sich bereits nach 40 Kilometern allein an die Spitze gesetzt und wurde bis ins Ziel nicht mehr eingeholt. Teamkollege Rosner verteidigte mit Platz zwei seine Führung in der Bundesliga-Gesamtwertung. Er liegt jetzt mit 390 Punkten an der Spitze vor Pierre-Pascal Keup (Junioren Schwalbe Team Sachsen). In der Mannschaftswertung blieb das Team Auto Eder Bayern auch nach dem zweiten Wertungsrennen in Führung.

Zanner gewinnt Bundesliga-Auftakt

Beate Zanner vom Team maxx Solar Lindig ist erste Spitzenreiterin der Müller – Die lila Logistik Rad-Bundesliga der Frauen. Die 36-Jährge aus Gera gewann beim Bundesliga-Auftakt in Einhausen nach 88 Kilometern den Massensprint vor Lydia Ventker (RSG Placeworkers) und ihrer Teamkollegin Carolin Schiff.

In der Mannschaftswertung fuhren sich die Titelverteidigerinnen aus Thüringen direkt im ersten Rennen wieder auf Platz 1. „Das war ein toller Auftakt. Mein Team hat mich gut unterstützt. Das Rennen lag mir und im Finale konnte ich meine Stärke ausspielen“, freute sich Zanner über den Triumph in Einhausen.

Ergebnisse unter: www.rad-bundesliga.net